LineageOS auf dem Xiaomi Redmi Note 4X

Eine ganze Weile schon begleitete mich mein treues Redmi 4X als zuverlässiger Androide fernab des heimischen PCs. Es funktioniert zwar noch immer, langsam machen sich jedoch einige Verfärbungen auf dem Display bemerkbar, welche ich nicht mehr ignorieren möchte.

Ein neues Display aus Übersee zusammen mit einem passenden Trägerrahmen hätte mit ca. 30€ zu Buche geschlagen. Für knapp 50€ kam ich jedoch an ein sehr gut erhaltenes Redmi Note 4X. Der Wechsel von einem Xiaomi Smartphone auf ein anderes geht normalerweise sehr unkompliziert vonstatten, da die persönlichen Daten und Apps einfach via WLAN übertragen werden können.

Den Gerätewechsel nahm ich jedoch zum Anlass, auch das zugrunde liegende System zu wechseln und LineageOS mal wieder einen Besuch abzustatten. Für gewöhnlich werden Xiaomi Handys mit der eigenen MIUI Oberfläche ausgeliefert, welche sich stark an iOS anlehnt. Nach einiger Zeit hatte ich mich an diesen Look gewöhnt und wäre wohl auch bei diesem System geblieben, hätten die ROM-Bauer von Xiaomi.eu nicht den Support für die Redmis der vierten Generation gerade erst eingestellt.

Bevor jedoch überhaupt ein alternatives ROM installiert werden kann, muss der Bootloader des Geräts entsperrt werden. Dazu steht eine offizielle App von Xiaomi für Windows zur Verfügung. Für Mac und Linux hat der Entwickler Francesco Tescari das Windows Tool „reverse engeneered“ und in sein „XiaoMiTool V2“ implementiert.

Zum Entsperren wird zunächst in den Entwickleroptionen (erreichbar nach siebenmaliger Betätigung der MIUI-Version unter „Über das System) der Menüpunkt „Mi Entsperr-Status“ gewählt. Dabei sollte festgestellt werden, dass das Gerät noch gesperrt ist. Wenn noch nicht geschehen, wird das Gerät über das folgende Menü an das eigene Xiaomi-Konto gekoppelt, welches zumindest für den Entsperrvorgang erstellt werden muss. Dabei ist es auch erforderlich, dass sich eine Sim-Karte im Handy befindet.

Weiter geht es dann mit dem Tool am PC, welches einem die nötigen Arbeitsschritte in englischer Sprache erklärt. Wichtig ist, dass sich das Gerät im Fastboot-Modus befindet. Diesen erreicht man, indem man im ausgeschalteten Zustand die Leiser- und Powertaste für mehrere Sekunden gedrückt hält.

Gut Ding will Weile haben …

Zunächst stand jedoch Warten auf dem Programm. Das Tool vermeldete erst einmal eine unzureichende Verknüpfungsdauer des Geräts mit meinem Xiaomi-Konto. Will man zum ersten mal ein Xiaomi-Gerät entsperren muss die Entsperrberechtigung des Kontos bei Xiaomi „beantragt“ werden. Da ich die Prozedur schon einmal bei meinem Redmi 4X vollzogen hatte, lag die Berechtigung bereits vor.

Zwei Tage und sieben Stunden später konnte ich über das Tool den Unlock-Vorgang starten, welcher auch ohne weitere Probleme durchgeführt wurde.

Nach dem Neustart lässt sich der Entsperr-Status über das zuvor genannte Menü überprüfen.

Als nächstes findet eine Custom-Recovery auf dem Gerät Platz. Da es sich bei der gewählten LinageOS-Version 15.1 um eine Treble-Rom handelt, bedarf es auch einer Treble-Variante der TWRP-Recovery, welche sich z.B. im xda-Forum finden lässt. Um diese zu flashen muss sich das Gerät wieder im Fastboot-Modus befinden. Der Befehl:

fastboot devices

verrät, ob das Gerät überhaupt erkannt wurde. Über:

fastboot oem device-info

lässt sich überprüfen, ob der Bootloader wirklich entsperrt wurde.

Mit dem Befehl:

fastboot flash recovery recovery.img

wird die Recovery-Datei auf das Gerät geschrieben. Sollte eure img-Datei anders heißen, muss der Befehl natürlich angepasst werden. Ein erneuter Neustart mit gedrückter Lauter- und Powertaste bringt euch direkt in die TWRP-Recovery. Dort lässt sich das das Gerät „wipen“, wodurch auch das installierte MIUI vom Gerät verschwindet. Anschließend lässt sich die Linage-Rom als Zip (vorzugsweise auf einer MicroSD-Karte) einfach installieren. Möchte man später auch auf Google-Dienste zurückgreifen, muss zusätzlich ein Paket wie „Open GApps“ (ebenfalls als Zip) installiert werden. Für das Redmi Note 4X bräuchte es bei LinageOS 15.1 die Auswahl: „Platform: ARM64“ und „Android: 8.1“. Bei der Variante habt ihr die freie Wahl, wie umfänglich ihr Google-Dienste in Anspruch nehmen wollt.

Wie nach einer solchen Neuinstallation üblich, kann der erste Start ein klein wenig länger auf sich warten lassen, dann lässt sich das Gerät aber über den Startassistenten konfigurieren.

Ich muss sagen, dass ich mit meinem neuen System schon zu Beginn sehr zufrieden bin. Bisher sind mir keine Fehler aufgefallen und alles funktioniert wie erwartet. Zuvor hatte ich als Xiaomi.eu-Alternative die „Masik P Rom“ ausprobiert, stieß aber dabei immer wieder auf kleinere Ungereimtheiten, die mir für einen längerfristigen Einsatz als zu schwerwiegend erschienen. Beispielsweise ließ sich die Farbtemperatur des Displays nicht regeln. Lineage dagegen ist flott, ausreichend frei konfigurierbar und (entgegen hartnäckiger Behauptungen auf einschlägigen Portalen) definitiv nicht hässlich. Die App-Kompatibilität im Gegensatz zu MIUI ist außerdem höher. Durch die aggressiven Stromsparmechanismen, welche Xiaomi seinem System auferlegt hat, funktionierten einige Apps nicht immer wie vorgesehen. Zwar entleert sich der Akku nun ein wenig schneller, bei moderater Nutzung komme ich aber immer noch locker über den Tag. Zur Not ließe sich diesem Effekt auch mit Greenify ein wenig entgegenwirken.

Ich nutze mein Redmi Note 4X mit Linage nun als „Daily Driver“ und vermisse nichts, wofür ich zu einem höherpreisigen Gerät greifen müsste. Falls der Support von Lineage für das Redmi einmal endet, gibt es auch genügend Alternativen im Xda-Forum, welche eine ähnliche Nutzererfahrung bieten.

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